Qualität und Gnade

Ich habe zwei Boxen. Auf einer steht „Qualität“, auf der anderen „Gnade“. Die Box, die den Namen „Qualität“ trägt, enthält am Ende einer Woche eine Sammlung von wertvollen Momenten. Qualitätszeit. Zeit für bedeutsame Momente, die ich mir in den zurückliegenden Tagen genommen habe.
Die andere Box – „Gnade“ – enthält ebenso wertvolle Dinge, Hobbys und Bedeutsames, doch es sind Momente, die nicht stattgefunden haben. Alles, was ich nicht geschafft habe oder was zu kurz kam. Das Unvollkommene liegt am Ende einer Woche im Raum der Gnade.

Die Boxen haben mit dem Eisenhower-Prinzip zu tun. Es soll dabei helfen, die richtigen Prioritäten zu setzen. Anstehende Aufgaben werden in vier Quadranten eingeteilt. Dabei wird gefragt: Ist etwas wichtig oder unwichtig? Ist es dringend oder nicht dringend? Eine Erkenntnis dabei ist: Was nicht dringend aber wichtig ist, muss aktiv eingeplant werden. Sonst geht es unter.

Beispiele für „nicht dringend, aber wichtig“ sind Sport und Gesundheit, Zeit mit der Familie, Freundschaften, ehrenamtliches Engagement, Bildung, Hobbys,…
Mein eigenes geistliches Leben ist auch einer der Bereiche, der in diesen Bereich fällt. Spiritualität, Stille und Gebet sind mir so wichtig – und gleichzeitig sind sie nicht von sich aus im dringenden Quadranten.
Wichtiges wird dann dringend, wenn es lange überhaupt nicht beachtet wurde. Es wird in der Krise deutlich, was ich vorher vernachlässigt habe.

Was ist es bei Dir, was in diesen Bereich fällt? Was ist Dir wichtig, aber fällt nicht in den Bereich des Dringenden und gerät daher oft aus Deinem Blick?
Mir hat es geholfen, einmal alles zu notieren, was für mich wichtig ist. Bei vielem war es dem Zufall überlassen, ob ich es wirklich in meinem Alltag unterbringen konnte. Nur weniges von meiner Liste hatte ich schon im Kalender fest terminiert.

Mittlerweile habe ich einen guten Weg gefunden, die Erkenntnisse aus dem Eisenhower-Prinzip für mich passend anzuwenden. Es gibt Zeiträume in der Woche, die ich für mich selbst freihalte. In diesen Momenten wähle ich je nach Tagesform, Wetter oder sonstigen Umständen aus, wofür genau ich mir nun Zeit nehme.

Die beiden Boxen „Gnade“ und „Qualität“ erinnern mich daran, das Wichtige nicht aus den Augen zu verlieren. Sie stehen am Anfang einer Woche bereit (oder auch am Anfang einer Monats), zusammen mit einer Sammlung von Kärtchen, beschriftet mit all den wichtigen, nicht dringenden Dingen meines Lebens.
Nach und nach wandert ein Kärtchen nach dem anderen in die „Qualitätsbox“. Und ich feiere diese gelingenden Schritte, diese bedeutsamen Momente. Ich freue mich, wenn manches sogar zu einer guten Routine wird. Am Ende der Woche oder des Monats bleibt dennoch auch so manches übrig, was ich nicht geschafft habe. Ich bin dankbar, dass für Unvollkommenheit, Unerledigtes und gescheiterte Vorhaben ein Platz ist. Ein Raum der Gnade.

Was ich an Qualität erlebe, verdanke ich dem, der sich das alles erdacht hat: Schöpfung und Schönheit, Beziehungen und Freundschaften, Herzensanliegen und Gaben, Bewegung und Stillsein, Genuss und Lernen. Den Raum der Gnade habe ich ebenso bei Gott kennengelernt und mache Platz dafür in meinem Leben. Ich bin gnädig mit mir selbst. Denn am Ende ist da einer, der in seiner großen Gnade und Weisheit immer wieder einen Neuanfang schenkt. Eine neue Woche. Einen neuen Monat. Ein neues Jahr.

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